Erfassung und Darstellung der tatsächlichen Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung in Sachsen-Anhalt seit 2012
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Halle (Saale)
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Beschreibung
1. Bewertung von Böden mit ihren natürlichen Funktionen Um Böden mit ihren natürlichen Bodenfunktionen sowie der Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte gleichberechtigt neben anderen Schutzgütern in Planungs- und Zulassungsverfahren einbringen zu können, wurde in Sachsen-Anhalt bereits 1998 ein Bodenfunktions-bewertungsverfahren (BFBV) entwickelt und veröffentlicht. Dieses Verfahren steht Behörden und anderen Nutzern zur landesweiten Bewertung der Böden für Sachsen-Anhalt in jeweils aktualisierter Version zur Verfügung und ist sowohl für klein- als auch für großmaßstäbige Anwendungen geeignet. Das Bodenfunktionsbewertungsverfahren (BFBV) ermöglicht die Identifizierung von Flächen mit hoher Funktionserfüllung, insbesondere der vorrangig zu schützenden Bodenfunktionen gemäß Bodenschutzgesetzgebung. In der aktuellen Fassung des BFBV werden drei natürliche Bodenfunktionen bewertet, für die eine Gesamtbewertung in Form des Konfliktpotenzials nach dem Maximalwertprinzip berechnet wird . Darüber hinaus wird die Archivfunktion des Bodens mit betrachtet. Aus der Gesamtbewertung der natürlichen Bodenfunktionen und der Archivfunktionen ergibt sich ein Konfliktpotenzial, das einen Indikator für die Empfindlichkeit der Böden gegenüber Nutzungsartenänderungen darstellt. Nach diesem Bewertungsalgorithmus erhalten insgesamt ca. 32 % der bewerteten Böden in Sachsen-Anhalt ein sehr hohes Konfliktpotenzial (davon 91 % aufgrund ihres sehr hohen Ertragspotenzials). Ca. 24 % der bewerteten Flächen erhielten eine hohe Bewertung, davon wiederum ca. 62 % aufgrund ihrer hohen Ertragsfähigkeit. Der große Anteil von Böden mit erheblichem Konfliktpotenzial (Stufen 5 und 4) beruht in erster Linie auf dem hohen Prozentsatz lössbürtiger Böden an der Fläche unseres Bundeslandes. Diese (Löss-)Böden stellen ein zu schützendes Naturgut dar, für dessen Erhalt das Land Sachsen-Anhalt eine besondere Verantwortung trägt. 2. Entwicklung der Flächennutzung Die Auswertungen der jährlichen amtlichen Flächenerhebungen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt belegen, dass der Anteil der Landwirtschaftsfläche an der Gesamtfläche des Landes Sachsen-Anhalt im Zeitraum von 1994 bis 2021 um mehr als 60.000 ha von 61,4 % auf 60,1 % kontinuierlich abgenommen hat. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auf den erheblichen (Um-)Nutzungsdruck, der auf den landwirtschaftlich genutzten Böden lastet, beispielsweise durch Siedlungs- und Infrastruktur-vorhaben, Hochwasserschutz, Rohstoffabbau, aber auch auf Flächenumwidmungen infolge naturschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen zurückzuführen. Aus dem aktuellen Anteil von 11,5 % Fläche für Siedlung und Verkehr ergibt sich abgeschätzt eine Totalversiegelung von weniger als fünf Prozent der Landesfläche. Die Daten der statistischen Erhebungen, aber auch fortlaufende Planungen im Land, bei denen (Landwirtschafts-)Böden mit sehr hohem Konfliktpotenzial betroffen sind, zeigen die dringende Notwendigkeit, den vorsorgenden Bodenschutz mit aktuellen Datengrundlagen und fachlich fundierten Kriterien und Vorgaben praktisch zu stärken. Wie bereits dargestellt, enthalten die statistischen Veröffentlichungen keine Angaben zu flächenkonkreten „Wanderungsbewegungen“ der Flächennutzung. Um diese Informationen in der notwendigen räumlichen und zeitlichen Aussageschärfe zu erlangen, müssen weitere Datenquellen erschlossen und ausgewertet werden. 3. Aufgabenstellung - Aus der Amtlichen Flächenstatistik lassen sich Änderungen in den einzelnen Nutzungsarten auf Gemeinde- und Landkreisebene ableiten. Eine flächenkonkrete Ausweisung von Nutzungsartenänderung sowie der tatsächliche Versiegelungsgrad bei Umwandlung von Vegetationsflächen in Flächen für Siedlung und Verkehr lässt sich auf Basis dieser Daten nicht ermitteln. Durch Auswertung der Fernerkundungsdaten des CORINE Land Cover (CLC 5) -Projektes soll diese Informationslücke geschlossen werden. Dabei soll die räumliche und zeitlichen Verteilung der Flächeninanspruchnahme auf Ebene der Gemeinden und der Landkreise/kreisfreien Städte ermittelt werden. Im Rahmen des Projektes sollen insbesondere die Nutzungsänderungen von Vegetationsflächen wie Landwirtschaftsflächen identifiziert und kartographisch sowie statistisch ausgewertet werden. Dies beinhaltet auch abgestufte Darstellungen zum Versiegelungsgrad der Flächen für Siedlung und Verkehr. Die Ergebnisse der Nutzungsartenänderungen auf Basis der Fernerkundungsdaten sollen den statistischen Flächenerhebungen gegenübergestellt und Abweichungen dokumentiert werden. - Durch Verschneidung der ermittelten Daten zur Flächennutzungsänderung mit den Daten der Bodenfunktionsbewertung soll auf Gemeinde- und Landkreisebene analysiert und dargestellt werden, in welchem Umfang landwirtschaftliche Nutzflächen mit jeweiligem Konfliktpotenzial in Flächen für Siedlung und Verkehr und andere Nutzungen umgewandelt und damit der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen wurden. - Auf Basis der Analysenergebnisse der Nutzungsartenänderungen der letzten zehn Jahre sowie des sich daraus ergebenden Konfliktpotenials aus Sicht des vorsorgenden Bodenschutzes sollen Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme insbesondere von Böden mit sehr hoher und hoher Funktionserfüllung sowie zu Möglichkeiten der Lenkung von Standortentscheidungen auf Flächen geringerer Funktionserfüllung abgeleitet werden. 4. Ergebnis Der Auftragnehmer fertigt einen Zwischen- und Abschlussbericht an, wobei im Abschlussbericht die folgenden Inhalte darzulegen sind: -Entwicklung der Flächenneuinanspruchnahme flächenkonkret auf Gemeinde- und Landkreisebene- - Aussagen zu Flächengewinnen und -verlusten nach Nutzungsart - Aussagen zum Versiegelungsgrad der Flächen für Siedlung und Verkehr - Aussagen zu Flächenverlusten von Böden mit sehr hoher und hoher Funktionserfüllung - Aussagen zur Häufung von Flächenneuinanspruchnahme entlang von Verkehrsachsen (bspw. Gewerbe- und Industriegebiete in unmittelbarer Nähe zu Autobahnen) oder Wäldern (als Aufforstung im Rahmen von A+E Maßnahmen) - Ableitung von Empfehlungen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs. Der Bericht ist ausgedruckt (in zweifacher Ausführung) sowie digital (Formate: PDF und MS Word) an den Auftraggeber zu übergeben. Auch die im Rahmen des Projekts erhobenen Daten und Dokumente sind elektronisch zu übergeben. Hierbei ist die unten genannte Leistungslaufzeit zu beachten. Die Rechte für die Daten und Dokumente liegen beim Auftraggeber. Diese Projektbeschreibung wird Bestandteil des Auftrags.