Untersuchung der genetischen Verwandtschaftverhältnisse des Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia) in Deutschland
Bundesamt für Naturschutz, BonnFrist abgelaufen
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Beschreibung
Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) hat europaweit und auch insbesondere in vielen Bundesländern in Deutschland sehr starke Rückgänge der Populationen und der Verbreitung hinnehmen müssen (vgl. AHK Goldener Scheckenfalter, ABL 2014, ANTHES et al. 2003). Euphydryas aurinia ist in Anhang II FFH-Richtlinie gelistet. Der Erhaltungszustand der Art wird seit der ersten Bewertung im nationalen Bericht 2007 in der kontinentalen Region Deutschlands als „unzureichend-schlecht“ bewertet. In fast allen Bundesländern sind aufgrund des ungenügenden Erhaltungszustands der Art Wiederansiedlungsmaßnahmen geplant. Da bereits stabile Populationen von E. aurinia durch Wiederansiedlungsprojekte etabliert werden konnten (KRETSCHMER et al. 2016), gelten Wiederansiedlungsmaßnahmen für E. aurinia als erfolgsversprechend. Um die genetische Vielfalt zu erhalten, ist es aus naturschutzfachlicher Sicht entscheidend, vorab zu untersuchen, aus welchen Spender-Populationen mögliche Wiederansiedlungen durchgeführt werden können und sollten. Nach der IUCN-Richtlinie für die Wiederansiedlung (IUCN 1998) ist die Regel zu beachten, dass für die Spenderpopulation eine möglichst hohe genetische Übereinstimmung zu den ursprünglichen Populationen in den Wiederansiedlungsgebieten besteht. Aus der Veröffentlichung von JUNKER et al. (2015) ergibt sich, dass Mittel(ost-)europa eine Hybridisierungszone verschiedener glazialer Refugialräume ist. Allerdings haben JUNKER et al. 2015 nur sehr wenige Populationen in Mitteleuropa untersucht, und u.a. die süddeutschen Schwerpunktgebiete der Vorkommen von E. aurinia außer Acht gelassen. In einer ersten genetischen Untersuchung durch die Bürogemeinschaft ABL Freiburg - Arten : Biotope : Landschaft unter Projektleitung von Holger Loritz konnten 2023 Populationen in Baden-Württemberg und Bayern untersucht werden (LORITZ et al. 2024). Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Differenzierung der rezenten Vorkommen des Goldenen Scheckenfalters auf. Bereits innerhalb von ca. 30 bis 50 km weist die Art ein stark differenziertes genetisches Profil auf. Mögliche Wiederansiedlungen sollten deshalb die regionale Herkunft und Verwandtschaftsverhältnisse von Spender- und möglichen Zielpopulationen genau beachten und möglichst ortsnahe Vorkommen berücksichtigen. Dafür sind weitere genetische Untersuchungen an rezenten Populationen in Deutschland notwendig. Die Ergebnisse aus dem süddeutschen Raum werfen zudem weitere Fragen über die Ausdehnung der genetischen Mischzone und der ursprünglichen Zuwanderungslinien auf. Ziel des Vertrags ist daher, ein vollständigeres phylogeographisches Bild über die innerhalb der Bundesrepublik liegenden, rezenten Populationen von E. aurinia und deren Verwandtschaftsverhältnisse zu erlangen. Die Untersuchungen stellen eine wichtige Grundlage für künftige Wiederansiedlungsmaßnahmen dar und tragen somit langfristig zur Verbesserung des Erhaltungszustands der Art bei.